Grass-Debatte
Kritik an der Regierung des Staates Israel – Antisemitismus?
In einem Kommentar wurde am 14. April 2012 im WESER-KURIER (Bremen) die irrwitzige
These veröffentlicht, „dass der vormals für eine moralische Instanz stehende Name Günter
Grass irreparabel beschädigt ist. Dieser Umstand schadet mittelbar auch der Stadt Bremen“.
Grass hat in seinem politischen Aufruf Was gesagt werden muss geschrieben: „Die
Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden“. Dieser durchaus zutreffende
Satz hat eine geradezu absurde Debatte ausgelöst, gerade so, als hätte Grass
nicht hingezufügt, man solle „den Verursacher der erkennbaren Gefahr zum Verzicht auf
Gewalt auffordern und gleichfalls darauf bestehen, dass eine unbehinderte und permanente
Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz von den Regierungen beider Länder zugelassen
wird“.
Was ist daran verwerflich? Hatte nicht der Ministerpräsident des Staates Israel gerade
noch in Washington die Zustimmung des Präsidenten der U.S.A. zu einem präventiven Militärschlag
gegen iranische Atomanlagen gefordert? Gebietet nicht die auch den Staat Israel
verpflichtende UN-Charta in Art. 2, Abs. 3: „Alle Mitglieder legen ihre internationalen
Streitigkeiten durch friedliche Mittel so bei, daß der Weltfriede, die internationale Sicherheit
und die Gerechtigkeit nicht gefährdet werden“? Neben Indien, Nordkorea und
Pakistan hat nur die Atommacht Israel den von 190 Staaten ratifizierten Atomwaffensperrvertrag
nie unterzeichnet.
Grass hat zu Recht die aggressive Politik einer Regierung kritisiert, nicht ‚die Juden’, nicht
einen ‚jüdischen Staat’. Der Staat Israel ist ein säkularer, kein religiös-jüdischer Staat. 43%
der Israelis bezeichnen sich selbst als nicht-religiös. Der Staat Israel ist ein multi-ethnischer
Staat; israelische Araber stellen ca. 18 % der Bevölkerung; 14,6% sind sunnitische Muslime.
Aber Grass hat gewusst: „das Verdikt ‚Antisemitismus’ ist geläufig“. Antisemit wäre Grass,
wenn er Menschen jüdischer Herkunft und Religion bzw. Angehörige der semitischen
Sprachgemeinschaft, zu denen auch die Araber gehören, rassistisch diskriminiert hätte. Hat
er? Man sollte gerade in Deutschland nicht darauf hereinfallen, wenn sich eine Gewalt propagierende
israelische Regierung gegen jegliche Kritik an ihrem völkerrechtswidrigen Verhalten
mit dem Antisemitismus-Vorwurf zu immunisieren sucht.
Willkommen
auf der Homepage

Aus: Francoise Schein und
Barbara
Reiter. Westhafen.
Die Menschenrechte
Schreiben, Köln 2002
|
Presse
Persönliche
Stellungnahmen
UNO-Dokumente
Menschenrechte
UNESCO
UNESCO-Dokumente
und
Resolutionen
Menschenrechtserklärungen
international, Institutionen des Menschenrechtsschutzes, Strafverfolgung
Menschenrechtsverletzungen
Links zur UNESCO,
Menschenrechte-Seiten und Bibliotheken
Deutsches Institut für Menschenrechte
UNESCO heute online
Aktivitäten der Deutschen Abteilung in Bremen
Bremer UNESCO-Vorlesungen
Texte zur UNESCO-Vorlesung
Texte aus der UNESCO-Abteilung zu Kultur und Recht
Publikationen, Vorträge, Interviews und Lehre 1965 - 1974 (Giessen), 1974- 2010 (Bremen) von H.J. Sandkühler
Lebenslauf H.J. Sandkühler
Schriftenreihe der UNESCO-Abteilung
Buchreihe Philosophie und Geschichte der Wissenschaften,
Verlag Peter Lang
Buchreihe Philosophie und Transkulturalität/ Philosophioe et transculturalité, Verlag Peter Lang
Auswahlbibliographie Menschenrechte/Grundrechte
Kontakt:
Prof. Dr. H.J. Sandkühler
hsandk@uni-bremen.de
Sie sind der 30475. Besucher auf der Seite.
|
|